Das Machtspiel mit dem Tod (Update)

19. Juli 2012


Irgendwie kommt einem das bekannt vor: Ein afrikanischer Präsident oder Regierungschef erkrankt ernsthaft oder ist vielleicht (!!!) sogar schon tot, die Gerüchte und mit ihnen Unruhen sprießen, aber offiziell gibt es keinerlei Informationen. Diesmal: Meles Zenawi, seit 1995 Ministerpräsident (1992-95 Präsident) von Äthiopien.

Beim jüngsten AU-Gipfel in seiner eigenen Hauptstadt Addis Abeba war der 57jährige Meles Zenawi überraschend nicht dabei, das letzte Mal gesehen hat ihn die Öffentlichkeit beim G20-Gipfel in Mexiko und schon zwitschern unter #Meles die Spekulationen um die Welt. Angeblich sei er schon tot, angeblich nicht, laut AFP liegt er „in ernstem Zustand“ in einem Krankenhaus in Brüssel, laut dortiger äthiopischer Botschaft sei das eine Lüge. Die äthiopische Regierung kündigt eine Pressekonferenz an, sagt sie wieder ab und hüllt sich ansonsten in beredtes Schweigen. Derweil im notorischen Überwachungsstaat Äthiopien religiöse und politische Proteste zunehmen, immer mehr Menschen, darunter der berühmte Blogger für die Freiheit Eskinder Nega, unter zweifelhaften Vorwänden zu jahrelangen Gefängnisstrafen verurteilt werden und sich die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Navi Pillay größte Sorgen um die Menschenrechte in einem „Klima der Einschüchterung“ macht.

Wirtschaftlich entwickelt sich Äthiopien rasant, demokratisch stagniert es bestenfalls – auf sehr niedrigem Niveau. Gleichzeitig nimmt Äthiopien eine zentrale Rolle in der unruhigen Region am Horn von Afrika ein, wird von vielen westlichen Regierungen – wenngleich mit wachsenden Bauchschmerzen – als einer der wenigen Stabilitätsfaktoren gesehen, als Bollwerk gegen den wachsenden Einfluss radikaler Islamisten in Nord- und Ostafrika und als Schlüsselstaat innerhalb der Afrikanischen Union.

Es ist also nicht nur für Äthiopier alles andere als unerheblich, wer in Addis Abeba regiert. Verwirrung über den Gesundheitsstatus des Machthabers können sich weder Äthiopien noch die Nachbarn noch die westlichen Verbündeten des Landes leisten – und im Zeitalter von Twitter lassen sich Gerüchte ohnehin nicht unter der Decke halten. Trotzdem befördert die Angst vor einem Machtverlust genau diese Verwirrung. Ein Machtspiel, ein Trauerspiel.

[UPDATE, 19.07.2012, 15h50]

Bereket Simon, Sprecher der äthiopischen Regierung hat heute eine vage Presseerklärung abgegeben. Demnach sei der Gesundheitszustand von Meles Zenawi „OK“: Der Premierminister übe nach wie vor seine Funktionen und Pflichten aus, brauche aber eine Pause:

„He will rest and after the rest he will start his governement functions again“

Der Sprecher weiter: Zenawi werde in wenigen Tagen zurückerwartet. Wo er sich gerade befindet, sagte Bereket Simon jedoch nicht. Auch über die Art der Erkrankung keine näheren Informationen. Lediglich auf insitierende Nachfrage:

„all I can tell you is that it’s not brain cancer!“

Unterdessen hat das belgische Außenministerium die Berichte über Meles Zenawis Krankenhausaufenthalt in Brüssel „weder bestätigt noch dementiert“.

Auf Twitter blühen die Spekulationen weiter.

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4 Antworten to “Das Machtspiel mit dem Tod (Update)”


  1. […] Nachricht vom Tod Meles Zenawis wäre nach dem jüngsten Versteckspiel um seine Gesundheit (Siehe Das Machtspiel mit dem Tod) keine Überraschung mehr gewesen. Doch es war Ghanas Präsident John Atta Mills, dessen Ableben […]


  2. […] [UPDATE, 19.07.2012, 15h50]: Bereket Simon, Sprecher der äthiopischen Regierung hat heute eine vage Presseerklärung abgegeben. Demnach sei der Gesundheitszustand von Meles Zenawi “OK”: Der Premierminister übe nach wie vor seine Funktionen und Pflichten aus, brauche aber eine Pause: “He will rest and after the rest he will start his governement functions again” […]


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