Reif für den Tod

25. Juli 2012


Die Nachricht vom Tod Meles Zenawis wäre nach dem jüngsten Versteckspiel um seine Gesundheit (Siehe Das Machtspiel mit dem Tod) keine Überraschung mehr gewesen. Doch es war Ghanas Präsident John Atta Mills, dessen Ableben nun vollkommen überraschend bekannt gegeben wurde. Für Ghana eine traurige Ausnahmmesituation, aber der Vergleich mit Äthiopien (oder jüngst Malawi) zeigt, dass sich die Reife einer Demokratie gerade auch im Umgang mit dem Tod eines Machthabers zeigt.

Äthiopien: Seit über einer Woche wabern die Gerüchte über eine schwere Erkrankung oder gar den Tod von Premierminister Meles Zenawi durch das Netz, geradezu noch bestärkt durch die Nicht-Informationspolitik der rigiden Regiegerung. Gleichzeitig riegeln Sicherheitskräfte die Hauptstadt ab, Proteste werden im Keim erstickt. Die Stabilität des autoritären Regimes scheint entscheidend von der einen Person des Machthabers abzuhängen. Krankheit und Tod sind tabu, ebenso wie Eventualitätsfragen zu einer Nachfolgeregelung. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Ghana: Präsident John Atta Mills, der unwidersprochenen Berichten zufolge an Kehlkopfkrebs litt, und jüngst von einer durch ihn selbst bestätigten medizinischen Behandlung aus New York zurückkehrte, starb gestern überraschend in einem Militärkrankenhaus in Accra. Am selben Nachmittag bestätigte sein Präsidialamt die Todesnachricht. Das Land trauert um den 68jährigen Präsidenten, während Vizepräsident John Dramani Mahama (53) das Amt nach einer unspektakulären Vereidigung im Parlament übernimmt, bis im Dezember diesen Jahres reguläre Präsidentschaftswahlen anstehen. Die Oppositionsparteien loben die Machtübernahme ausdrücklich. Trotz der Trauer und der Ausnahmesituation, die der Tod eines Präsidenten darstellt, gibt es in Ghana keinerlei Anzeichen für Unruhe oder für Machtkämpfe hinter den Kulissen, wie sie erst kürzlich in Malawi nach dem Tod von Präsident Bingu wa Mutharika zu beobachten waren. Die demokratische Verfassung Ghana regelt auch tragische Ausnahmesituationen und sie regelt sie gut und verlässlich.

Es ist offensichtlich: Zwischen Ghana und Äthiopien liegt nicht nur ein halber Kontinent, sondern eine Welt. Ghana, die Demokratie, ist reif. Sogar für den Tod.

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Eine Antwort to “Reif für den Tod”


  1. […] als beim kürzlichen Tod von John Atta Mills, des demokratischen Präsidenten von Ghana (siehe HIER), ist der Tod des äthiopischen Ministerpräsidenten daher kein Einzelschicksal an der Spitze eines […]


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