Einzelschicksal oder Schicksalsfrage

22. August 2012


Also doch: Nach monatelangem Versteckspiel um die schwere Erkrankung oder gar den Tod von  Meles Zenawi hat Äthiopiens Regierung gestern das Ableben des autokratischen Ministerpräsidenten bestätigt. Zenawi reiht sich damit ein in die lange Reihe der im Amt verstorbenen Staats- und Regierungschefs Afrikas. Deren Sterblichkeitsquote ist höher als die der Kindersterblichkeit in Sierra Leone (der höchsten der Welt). Scheinbar kein besonders attraktiver Beruf …

Ob Meles Zenawi nun wirklich am 20. August in Brüssel an Krebs starb oder vielleicht doch schon viel früher, wird angesichts der gewaltigen Probleme, vor denen Äthiopien und die gesamte Region am Horn von Afrika nun stehen, bald die unerheblichste Frage sein. Der nach innen so autokratische Herrscher, dessen Partei bei den letzten Wahlen lupenreine 99,6 Prozent erhielt und der einen ausgeklügelten Überwachungsstaat führte, war nach außen der mit Abstand wichtigste Stabilitätsfaktor in einer extrem instabilen Region. Das und Äthiopiens beeindruckendes Wirtschaftswunder machten Meles so wichtig. Hofiert wurde er von China ebenso wie von den USA und den Europäern, so groß konnte der Menschenrechtskloß im Hals gar nicht sein.

Aber alles war – ganz die alte Schule der „Africa’s big old men“ auf seine Person ausgerichtet, die nun ein Besorgnis erregendes Vakuum hinterläßt. Anders als beim kürzlichen Tod von John Atta Mills, des demokratischen Präsidenten von Ghana (siehe HIER), ist der Tod des äthiopischen Ministerpräsidenten daher kein Einzelschicksal an der Spitze eines Staates, sondern Schicksalsfrage des ganzen Staates – und darüber hinaus.

Auch die deutsche Afrikapolitik täte gut daran, den Fortgang der Situation in Äthiopien genauestens im Blick zu halten. Täte!

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