Traue keiner Statistik …

3. Juni 2013


poornumbers … die du nicht selbst gefälscht hast. Dabei muss Fälschung noch nicht mal im Spiel sein, um die Aussagekraft so mancher als Fakten verkauften Zahlen zu begrenzen. Wie wir uns zum Beispiel von den (hohen) Wirtschaftswachstumsraten in Afrika täuschen lassen, erklärt ein gewisser Bill Gates…

Afrika wächst. Auch wirtschaftlich. Daran gibt es eigentlich keinen Zweifel mehr. „Der Chancenkontinent“ gehört langsam aber sicher zu den Standardattributen Afrikas. Als Beleg dafür werden vor allem die in der Tat imposanten Zahlen zum Wirtschaftswachstum herangezogen. Auch richtet sich die weltweite Entwicklungspolitik vor allem an diesen Daten zum Bruttoinlandsprodukt der jeweiligen Länder aus. Die aber sind allzu oft von sehr schlechter Qualität, nicht selten überholt oder schlicht falsch. Das sagt jedenfalls Morten Jerven in seinem im Februar erschienenen Buch  Poor Numbers: How We Are Misled by African Development Statistics And What To Do About It. 

Bill Gates hat das Buch besprochen und beklagt sich ebenfalls nicht nur als Zahlen-Pedant über die geringe Aussagekraft von Statistiken aus afrikanischen Ländern. Nicht nur dass das Bruttoinlandsprodukt und die davon abhängigen Wachstumsraten grundsätzlich entscheidende Faktoren für den Wohlstand von Menschen nicht genügend abdeckten, wie etwa die Rolle von Subsistenzwirtschaft, auch würden Daten viel zu schlecht und in zu langen Abständen erhoben. So resultiere etwa Ghanas sensationeller plötzlicher BIP-Anstieg um 60% vor einigen Jahren nur aus einer statistischen Anomalie, nicht aus tatsächlichen Verbesserungen im Lebensstandard. Je nach statistischer Auslegung sei Liberia mal das zweitärmste Land Subsahara-Afrikas, mal das siebtärmste, mal „nur“ Nummer 22 von unten. Und manch ein Land könne in einer Statistik Wachstumsraten von mehreren Prozentpunkten aufweisen, während seine Wirtschaft in einer anderen Statistik sogar schrumpfe.

Ohne grundsätzlich in Abrede stellen zu wollen, dass zahlreiche afrikanische Länder sich tatsächlich auf dem Weg des wirtschaftlichen Aufbruchs befinden (auch Bill Gates tut das natürlich nicht): Jerven und Gates haben Recht, dass wir auch hier – wie so oft – doch etwas genauer, differenzierter hinsehen müssen.

poornumbers

Morten Jerven, Poor Numbers. How We Are Misled by African Development Statistics and What to Do about It.
Cornell University Press 2013
 
 
 
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: