Schöne Sätze: Wainaina

10. September 2013


„Milka sitzt auf Kissen ausgestreckt im Laderaum des Toyota Land Cruiser neben den Kühlboxen, ihr Mund ist klebrig vom getrockneten Saft der Wassermelone; dicker, salziger Schweiß tropft ihr in die Augen, ihr Buch liegt aufgeschlagen, mit den Seiten nach unten, neben ihr. Ihr Körper, der ihr lang und unregelmäßig erscheint, weiß noch nicht, wie er sich anpassen soll. Zwei neue Wölbungen unter ihrem pinkfarbenen T-Shirt erinnern sie ständig daran, dass nichts mehr so ist, wie es war.“

(Binyavanga Wainaina, Ceteris paribus – Alles andere bleibt gleich)

[…]

„Bald rollen sie wieder über Asphaltstraßen, die dank Gordons Physik, Lindas Gebern und Kapuscinskis Ideen entstanden sind. Sie sind gerade und sauber und sorgen dafür, dass alles andere gleich bleibt: Felsen, Abbrüche und geologische Gegebenheiten, Hunderte unbekannter menschlischer Fossilien, zehn oder zwanzig Volksstämme, fünf oder zehn Dörfer oder fünf Seen, Regen und Sonne, schmutzige Vorstädte und grüne Vorstädte und die Spannung, die heute Abend im Haus kaum erträglich sein wird.
Kissen, Servolenkung und ein zweistündiges mentales Sausen durch den Sternregen machen dieses Rift Valley, das einmal so groß war und die ersten Menschen Zehntausende Jahre gefangen hielt, leichter verdaulich.“

Schluss- und Anfangssätze des Beitrags von Binyavanga Wainaina in: Horst Köhler (Hrsg.), Schicksal Afrika.

Aus dem Englischen von Sandra Zick.

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