Baba Berlin!

25. Dezember 2013


Ich verlasse dich! Es nicht so, dass ich keine Gefühle mehr für dich hätte, aber nach 14 Jahren zwischen mirabel und horribel habe ich denselben Status wohlwollender Gleichgültigkeit erreicht, den du selbst als Coolness verkaufen lässt. Es ist Zeit zu gehen. Vorläufig endgültig.

Das bisschen Restlarmoyanz heute siehst du mir sicher nach. Schieb es auf Weihnachten und Restalkohol! Mit dem kennst du dich ja aus. Er ist die Hauptzutat im Mustopf, in dem Möchtgern- und Möchteungernberliner selig ihre Befindlichkeiten rühren. Die einen projezieren die Orgasmen eines Berghain-Wochenendes auf dein ganzes Dich und beten dich mit verklärter Penetranz an, in der hündischen Hoffnung, dass du immer und immer wieder deinen Vibe auf sie abspritzt. Die anderen machen aus ihrer kleingeistigen Krämerseele provinzieller Provenienz eine Mördergrube, weil sie mit Großstadt und Großmaul nicht klarkommen. Und ich? Ich hasse dich nicht aber ich liebe dich auch nicht (mehr). Komisch. Auch für dich sicher keine alltägliche Erfahrung.

Wenn ich immer und immer wieder die mit bestätigungheischender Verve vor sich her getragene Frage höre, wie man nur irgendwo anders als in Berlin leben könne, frage ich mich: Wart ihr schonmal in einer Stadt am Meer? Aber die sich en vogue fühlenden Flughafenpleitestadtwowereitunfreundlichkeitdreckbenörgler finde ich so originell wie den einzigen Mario Barth-Witz. Beide Extreme sind mir wurst. Wurstigkeit – das habe ich wirklich von dir gelernt!

Du lässt Schein und Sein zu einer amorphen Masse verschmelzen. Der Unterschied ist ja auch egal. Interessiert keinen. Wichtiger als das Finden ist die Suche nach dem Selbst, nie dem Verständlichen. Je mehr eigenes Licht und eigenen Schatten die Blase um dich herum reflektiert und nach aussen zum Glanz filtert, desto weniger dringt von aussen ein. Wie die Kugel am Alex glitzerst du und blinkst – oder verschwindest im Nebel. Dabei drehst du dich immer verlässlich um dich selbst. Man kann das lieben oder hassen, zelebrieren oder lassen. Muss ich aber alles nicht.

Versteh mich nicht falsch: Ich mag dich und ich werde dich auch vermissen. Ich habe viel verloren in dir: Fahrräder, meine Unschuld, bisweilen mein Selbstvertrauen. Aber ich habe auch viel gefunden in Dir: Freunde, Feinde, bisweilen mein Selbstvertrauen. Ich habe noch mehr als einen Koffer und eine Wohnung in Dir: Meine Buckligen, ein Paar meiner Besten, meinen Mann. Ich verlasse dich also nicht ganz! Aber du bist nicht mehr die Einzige für mich. Ab heute lebe ich dort, wo man Schein und Sein genauso zu kitten versucht – aber mit Blattgold: Hello Austria, hello Vienna! Vorläufig endgültig!

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